Laos - Vang Vieng zwischen Paradies und Alptraum


Die ehemalige Tubing und Partystadt Vang Vieng liegt auf der Strecke von Vientiane nach Luang Prabang und wird von vielen Reisenden, die in die eine oder andere Richtung reisen, als Stopover genutzt. Die Stadt Vang Viene war jahrelang das Ziel junger Backpacker, die exzessiv Drogen und Alkohol konsumierten und sich auf einem Reifen auf dem Fluss Nam Song von Bar zu Bar treiben ließen. Es kam zu schweren Verletzungen und zahlreichen Todesfällen, allein im Jahr 2011 starben 21 Touristen. Irgendwann entschloss sich die Regierung, die außer Kontrolle geratene Situation, wieder in den Griff zu bekommen und verbot die berüchtigten Bars am Ufer des Nam Song River. Da wir in vielen Berichten gelesen hatten, dass die Landschaft um die Stadt herum ein Traum sein soll, haben wir für sechs Nächte einen Bungalow, etwa 15 Minuten von der Stadt entfernt, in einer kleinen sehr gut bewerteten Anlage gebucht. Die Gemeinde Vang Vieng wird durch den Nam Song River geteilt. Auf der einen Seite des Flusses befindet sich die richtig hässliche und gesichtslose Stadt Vang Viene. Auf der anderen Seite, die entweder über eine Bambusbrücke oder zwei befahrbare Brücken zu erreichen ist, liegt ein Naturparadies.

Reisetipps


Von hier aus kann man Wanderungen zu Höhlen, View Points und Lagunen unternehmen oder mit einem Fahrrad, die sieben Kilometer asphaltierte und dann feldwegartige Straße auf dem sogenannten West Vang Vieng Loop, entlang fahren. Gesamtstrecke ca. 26 km. Der Loop führt durch Reisterrassen, Felder und kleine Dörfer, egal wohin man blickt die Landschaft sieht traumhaft aus. Die gesamten Strecke ist eingerahmt von gebirgsartigen grünbewaldeten Karstfelsen. 

Die Schönheit der Landschaft von Vang Vieng ist die eine Seite, die Kehrseite ist, dass es schwer ist, sie zu genießen. Tubing bzw. die Drogen Bars sind verboten worden, deshalb hat man sich etwas anderes ausgedacht, um Gäste anzuziehen. Zum einen gibt es zahlreiche Adventure Angebote, wie Zipling, Climbing, Kajaking etc. und etwas was der beschriebenen tollen Landschaft jegliche Attraktivität nimmt: Buggy’s, die mit Vollgas durch die staubigen Straßen rasen. 2018 hat direkt gegenüber von unserer Unterkunft eine Koreanische Firma den „Utopia Buggy Car“ eröffnet. Hier kann man im Rahmen eines Tour Paketes Buggy buchen oder sich den Buggy für eine Stunde und nur 100.000 Kip (ca. 10 €) ausleihen. Nur ein paar Meter weiter gibt es einen zweiten großen Buggy Anbieter. Den Kunden wird das Fahren kurz erläutert, eine kleine Probefahrt gemacht und schon dürfen sie los düsen. Klingt gut, könnte man denken! Die Realität sieht leider so aus, dass es keine Regeln und kein abgesperrtes Gebiet für die Buggy Fahrer gibt. Sie fahren auf der einzigen Straße, die es gibt (siehe Loop) und das teilweise in großen Gruppen. Ohne Rücksicht geben viele,  auch in den Dörfern, Vollgas und hinterlassen neben Höllenlärm und Abgasen, eine bis zu 200 Meter lange braune Staubwolke. Fahrradfahren oder Spazierengehen wird zur Qual, weil man zeitweise nichts sieht und kaum Luft bekommt. Ausweichen kann man nicht, weil alle Felder auf der gesamten Strecke eingezäunt sind. Sind die Buggy’s an einem vorbei, brennen einem die Augen, man ist völlig eingestaubt und dann dauert es nur ein paar Minuten bis der nächste Buggy Fahrer wie ein Kamikaze an einem vorbei donnert. Richtig schlimm ist es für die Dorfbewohner. Die Hütten, kleinen Shops und Garküchen befinden sich fast alle direkt an der Straße. Das ganze Leben spielt sich dort ab, die Wäsche hängt am Straßenrand, kleine Kinder spielen, Hühner, Gänse und Kühe sind überall zu sehen....und von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang heizen die Buggy’s durch die Dörfer und umhüllen alles mit braunen Staub.

Brückengebühr Nam Song River

Am Nam Song River gibt es eine Bamboo Bridge, die man zu Fuß und kostenfrei überqueren kann. Die zweite Brücke, die man mit dem Auto /Moped, Fahrrad  und als Fußgängern überqueren kann, ist kostenpflichtig. Autos/Mopeds kosten 10.000 Kip (1,00€), Fahrräder 6.000 Kip (0,60€), Fußgänger 4.000 Kip (0,40€) hin und zurück.

Trampen

Vielleicht ist es ganz hilfreich zu wissen das Laoten Geld erwarten, wenn sie einen Tramper mitnehmen, dies auch, wenn sie vorher nicht darauf hingewiesen haben. Benzin ist teuer und man geht einfach davon aus, dass sich der Tramper an den Benzinkosten beteiligt. 

Anreise

Wir sind von Luang Prabang angereist. Achtung, es gibt zwei Strecken, die alte und die neue Straße. Die siebenstündige Anreise, über die sogenannte alte Straße, ist wunderschön und man hat eine atemberaubende Aussicht ins Tal oder auf wolkenverhangene Berge. Die Anreise über die sogenannte neue Straße dauert lediglich vier Stunden, ist aber nicht ganz so spektakulär. Beide Routen sind streckenweise sehr holperig, da sich die Straßen streckenweise in einem sehr schlechten Zustand befinden. Am besten, ihr setzt euch in den Minibussen nicht nach hinten! Die Preise liegen zwischen 80.000 und 170.000 Kip (ca. 8,20€ -17,50€) je nachdem wo man das Ticket kauft.

Unterkunft


Die über Airbnb zu buchende Anlage wurde von den meisten Reisenden als ruhiger und traumhafter Ort, inmitten der Natur mit Blick auf die Karstfelsen bewertet. Die Gastgeberin als super nett und das von ihr gekochte Essen als grandios. Irgendwie haben wir eine andere Erfahrung gemacht. Während unserer Reise haben wir uns in die sensationelle laotische Küche verliebt und nach unserem Geschmack waren die Gerichte im Guesthouse (die von der meist schlecht gelaunten Nichte gekocht wurden) ok, aber weit entfernt von grandios. Die gesamte Anlage war zugewachsen und sehr dunkel, abgesehen davon, lag sie direkt an der Straße. Nur von der kleinen „Chill Terrasse“ aus, hatte man einen Ausblick, aber lediglich auf den Buggy Verleih und einen Turm der für Zippline vorgesehen war, aufgrund erheblicher Sicherheitsmängel aber zurzeit nicht genutzt wird.

Fazit, wir sind nicht wie geplant sechs, sondern nur drei Nächte geblieben und werden diesen Ort nicht wieder aufsuchen. Sicherlich findet man noch versteckte Wege, traumhafte Aussichtspunkte und kann schöne Touren machen, aber für uns ist der Beigeschmack der umgebenden Rücksichtslosigkeit zu groß. Das Bild des kleinen Mädchens, das sich ein Tuch vor das Gesicht hält und die Augen reibt während die Buggy’s durch das Dorf rasen ist zu präsent in unseren Köpfen. Hinzu kommt, dass die Dorfbewohner an den Buggy Fahrern nichts verdienen, da diese im Rahmen ihrer Tourpakete alle Leistungen, wie Essen und Getränke, vom Anbieter erhalten. Des Weiteren ist der Nam Khan River an vielen Stellen verschmutzt und die Lagunen werden häufig von Tour Gästen belagert. Es gibt sicherlich viele Reisende die Vang Vieng auf andere Art kennengelernt haben und diesen Ort schätzen. Geschmäcker und Erfahrungen sind bekanntlich unterschiedlich.