Kuala Lumpur - Malaysia

In Kuala Lumpur hat unsere Reise durch Malaysia begonnen. Ein Land, in dem sehr viele Kulturen aufeinander treffen und eine aufregende Mischung bilden. Die ersten vier Nächte verbrachten wir in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Wir hatten Indonesien schweren Herzens den Rücken gekehrt und sind von Yogyakarta über Jakarta und Medan nach Kuala Lumpur geflogen. Am Flughafen wurden wir abgeholt und zu später Stunde zu unserer Unterkunft gebracht. Müde und erschöpft standen wir gegen Mitternacht in der Eingangshalle eines Wolkenkratzers. Bevor wir das Appartement beziehen durften, mussten wir beim Sicherheitsdienst einchecken, was mit etwas Zeit verbunden war. Neben der üblichen Aufnahme unserer Daten lichtete uns der Sicherheitsbeamte digital ab, damit wir während unseres Aufenthaltes von einem Gesichtsscanner erkannt werden und Einlass durch die Schranke in die heiligen Hallen erhalten konnten. Dieses Prinzip war uns bisher fremd, wir fühlten uns jedoch von der ersten Minute an sehr gut aufgehoben. Im 13. Stock angekommen, gaben wir unseren PIN-Code ein und traten ein in das sehr großzügige Appartement. Wir haben beide noch nie in einem Hochhaus übernachtet und der 13. Stock war schon recht hoch. Entgegen unseres üblichen Handelns, haben wir die Rucksäcke einfach stehen gelassen und sind ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen wurde dann die übliche Prozedur nachgeholt: Rucksäcke auspacken, Klamotten verstauen, Kaffee trinken und uns gegenseitig Herzlich Willkommen heißen. Nach einem Frühstück in dem im Eingangsbereich befindlichen Café machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Wir wohnten in Bukit Bintang, einem sehr beliebten Viertel insbesondere für die jüngere Generation Malaysias. Schnell stellten wir fest, dass uns dieses Viertel gut gefällt und die Wahl unserer Unterkunft eine wirklich gute war. Um uns herum waren überall Shops, Restaurants und Cafés und vor allem, die bekannte Foodstreet Jalan Alor war in wenigen Minuten erreichbar und ein Grund mehr, dieses Stadtviertel zu mögen. Wir liefen erst einmal stadteinwärts und landeten recht schnell in einer großen Einkaufsstraße. Dort schlenderten wir herum und ließen die Atmosphäre der Großstadt auf uns wirken. Schnell war uns klar, dass die Stadt viel Wert auf grosse und schöne Einkaufszentren legt. Noch etwas orientierungslos machten wir uns einen ersten Eindruck von der Stadt, die uns ein wenig an Singapur erinnerte, doch etwas mehr Lebendigkeit ausstrahlt. Wir ließen es langsam angehen, wir schlenderten durch die Straßen und ließen das quirlige Treiben auf uns wirken. Schlendern macht hungrig, so machten wir uns auf den Weg in die Jalan Alor, die Foodstreet, die abends zum Nachtmarkt wird. Einige wenige Stände waren bereits tagsüber aufgebaut, so dass wir in den Genuss kamen, mit einigen Einheimischen gemeinsam zu essen. Herrliche Einstimmung auf das was uns abends hier erwarten würde. Großartig!

Als wir nach unserem ersten ausgiebigen Stadtrundgang wieder zurück im Appartementhaus waren, entdeckten wir zu unserer großen Freude, einen Infinity Pool im 24. Stock mit Blick über die Stadt, der abends zu einer Skybar umgestaltet wird. Sowohl der sehr schöne Pool am Tage als auch die Bar am Abend luden zum Verweilen ein. Bevor wir uns am Abend auf den Weg zum Nachtmarkt machten, gönnten wir uns ein Bier in der Skybar und genossen die gigantische Aussicht auf die Skyline von Kuala Lumpur bei Nacht. So etwas hatten wir noch nie zuvor gesehen. Das Publikum war für unseren Geschmack etwas zu steif und das Bier zu teuer, aber für den Blick waren wir gerne bereit, beides in Kauf zu nehmen.

Leider fing es an zu regnen, so dass wir den Besuch des Nachtmarktes verschieben mussten und stattdessen ein Lokal um die Ecke aufsuchten. Dort haben wir auf der Terrasse in gemütlicher Atmosphäre fantastisch gegessen. Eine sehr gute Alternative zu unserem geplanten Essen in der Foodstreet. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben:-). Satt und erschlagen von den Eindrücken sind wir zufrieden und müde ins Bett gefallen. Das war ein guter Start für Malaysia.

Am nächsten Tag kauften wir uns ein 48-Stunden-Ticket für die Hop On/Hop Off - Touren, mit denen wir in ähnlich großen Städten bisher gute Erfahrungen gemacht hatten. Aufgrund der vielen sehr schlechten Bewertungen, hatten wir allerdings nicht besonders große Erwartungen daran, aber der Preis für die Tickets war gering, so dass das Risiko überschaubar war. Wir wurden gleich bei der ersten Fahrt durch die Stadt positiv überrascht. Die Ansagen waren durch die Lautsprecher zwar kaum zu verstehen, aber um sich einen guten Überblick über die Stadt zu verschaffen, waren die Touren für uns ideal. Durch den Fahrtwind auf dem Oberdeck des Busses, war die Hitze in der Stadt gut auszuhalten, ein sehr netter Nebeneffekt, den wir sehr gut genießen konnten. In Kuala Lumpur wurde uns bewusst, was Regenzeit in Malaysia bedeutet, nämlich große Hitze verbunden mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Kuala Lumpur wird auch gerne als Asiens Gewitter Hauptstadt bezeichnet mit einer extrem hohen Blitzdichte. Wir waren auf alles gefasst und nutzten die trockenen Phasen für unsere Bustouren. Nach Herzenslust stiegen wir ein und aus und mussten an den Haltestellen nie länger als 10 Minuten warten. Wir haben das Ticket bis auf die letzte Minute ausgekostet und auf diese Weise so einiges von der Stadt gesehen. Ab und an, meistens in den Nachmittags- und Abendstunden wurden unsere Streifzügen durch heftige Gewitter unterbrochen, aber dann gönnten wir uns einfach eine Pause in einem der vielen einladenden Lokale oder im Appartement, was zu unserer großen Freude sehr komfortabel und groß war.

Zum ersten Mal bewusst ausgestiegen, sind wir bei dem beeindruckenden Königspalast, der leider nicht von innen besichtigt werden konnte. Der Istana Negara war bis 2011 Sitz der Regierung von Malaysia, heute ist er einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kuala Lumpurs. Mit uns kam leider auch eine Busladung chinesischer Touristen an, die in Scharen aus dem Bus strömten und sich sehr nah an das vergitterte Portal des Palastes positionierten, um ein möglichst gutes Foto zu schießen. Wir mussten also etwas Geduld aufbringen und warten bis der Bus die Menge wieder aufgesammelt hatte, denn dann konnten auch wir den wunderschönen Anblick in aller Ruhe genießen.

Auch die Petronas Towers, das Wahrzeichen von Kuala Lumpur, mussten natürlich mal aus der Nähe angesehen werden. Um diese gigantischen Zwillingstürme kommt man nicht herum. Egal wo wir uns in der Stadt aufhielten, sie waren aus den unterschiedlichsten Perspektiven immer wieder zu sehen. Entweder lugten nur die Spitzen hinter irgendwelchen Wolkenkratzern hervor oder sie waren in ihrer Gänze von weitem zu bewundern. Die Türme weisen eine Höhe von 452 m bis zur Spitze auf und werden zwischen dem 41. und 42. Stock mit einer Brücke, der sogenannten "Skybridge", verbunden. Vor den Türmen wurden Weitwinkelobjektive für Handys verkauft, damit man die Türme im Ganzen auf ein Bild bekommt, darauf verzichteten wir und gaben uns mit Fotos ohne Hilfsmittel zufrieden. Als wir direkt vor den Türmen standen, war der Anblick sehr imposant, aber dennoch waren sie für uns nicht so spektakulär, wie für viele andere. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir in Singapur Wolkenkratzer gesehen hatten, die einen wesentlichen größeren Reiz auf uns ausübten.

Der weltbekannte Fernsehturm ist 421 Meter hoch. Da Nicole Höhenangst hat, haben wir darauf verzichtet, mit dem Aufzug in Höchstgeschwindigkeit in die schwindelerregende Höhe zu fahren. Sicherlich ein MUSS für viele Besucher, aber wir genossen den Anblick von unten, verweilten gerne ein Weilchen vor Ort und machten einen Spaziergang durch den nahegelegenen Park, der wie es schien mehr von den Einheimischen besucht wird.

In einem Land, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung Muslime sind, sind Moschee kein seltener Anblick. Die Staatsmoschee, was Masjid Negara eigentlich übersetzt heißt, bietet Raum für knapp 15000 Gläubige. Das 73 Meter hohe Minarett und das sternförmige Dach, das an einen Regenschirm erinnert, sind die Hauptmerkmale der sehr modern gestalteten Nationalmoschee. Wir wollten uns das schöne Gebäude auf jeden Fall auch einmal von innen anschauen. Ohne Schuhe und mit einem Umhang wurde uns Einlass gewährt. Ein sehr entspannter und wohlfühlender Aufenthalt, insbesondere die Säulen im Gebäude waren ein beeindruckender Anblick. Uns hat es sehr viel Spaß gemacht, auch wenn diese Moschee sicherlich nicht die schönste ihrer Art ist.

Da uns in Singapur das Flair und die Atmosphäre in Chinatown so gut gefallen hatte, mussten wir auch in Kuala Lumpur das Chinatown gesehen und erlebt haben. Uns erwartete ein riesiger Markt, wobei die Marktstände hauptsächlich von Indern geführt wurden, was etwas irritierend war. Wir wurden zwar von jeder Seite angesprochen, ob wir etwas kaufen möchten, was mit der Zeit auch etwas aufdringlich war, aber uns hat die Atmosphäre trotzdem sehr gefallen. Noch begeisterter waren wir allerdings von dem Food Court, der sich mittendrin befand. Wir haben für wenig Geld köstlich gegessen und getrunken. Selten so einen guten Mango Salat gegessen. Lecker!

Zurück in unserem Viertel, versuchten wir unserer Glück auf dem Nachtmarkt. Nach Sonnenuntergang pulsiert in Bukit Bintang das bunte Leben. Musik dringt aus den Bars, Bäume mit Blinklichtern säumen die für Autos gesperrten Straßen und in der Food Street strömen Menschenmassen zu den Garküchen. Das mussten wir erleben. Und vor allem mussten wir auf dem Nachtmarkt essen. Allerdings bahnten wir uns erst mal den Weg durch die Menschenmassen, um dann sehr lecker bei einem Vietnamesen zu essen. Bereits auf unseren Wegen durch die Stadt, aber vor allem auch hier in der Food Street fiel uns auf, das der Malaie an sich nicht gerade viel Freundlichkeit ausstrahlt. In Indonesien wurden wir immer mit einem Lächeln begrüßt, in Kuala Lumpur hingegen fühlten wir uns eher unwillkommen. Vielleicht ist das eine Art Schüchternheit, aber sicher wissen tun wir es nicht.

Am Ende unserer Malaysia Reise verbrachten noch einmal drei Nächte in Kuala Lumpur. Wir fuhren mit dem Bus in zwei Stunden von Melaka nach Kuala Lumpur. Der Bus war angenehm leer und die Fahrt sehr kurzweilig. In Malaysia ist das Busfahren eine wirklich sehr schöne Art des Reisens, das war uns vorher nicht so klar. Wieder haben wir in einem sehr großzügigen Appartement gewohnt, allerdings auf der anderen Seite des Stadtteils Bukit Bintang. In diesem Fall war es der 15. Stock in einem 33-stöckigen Hochhaus. Das riesengroße Gebäude besteht aus zwei Teilen. Der vordere Teil war ein edles Hotel und der hintere Teil ein Appartementhaus, die miteinander verbunden waren und somit auch für uns ein wirklich schöner Pool im 6. Stock zur Verfügung stand. Während des Aufenthalts waren wir gesundheitlich etwas angeschlagen und geregnet hat es auch fast durchweg, so dass wir uns überwiegend im Appartement aufhielten. Nach so viel Sehenswertem in George Town und Melaka, war der Aufenthalt in Kuala Lumpur eine Art Auszeit für uns. Da das Appartement mit einer Küche ausgestattet war, versorgten wir uns nach langer Zeit mal wieder selbst mit Frühstück. Wir entdeckten um die Ecke einen sehr guten Laden, in dem wir uns mit frischen Obst, Brot, Eiern und Kaffee versorgten, mehr brauchten wir für ein gutes Frühstück nicht. Im Gegensatz zu Indonesien, wo wir mit gutem Kaffee verwöhnt wurden, ist es in Malaysia eher ein Problem, guten Kaffee zu bekommen. Aber ein Frühstück ohne Kaffee, kommt für uns nicht in Frage. Ihr könnt es vielleicht nicht glauben, aber mittlerweile trinken wir sehr gerne Nescafé, schwarz, die Milch haben wir uns längst abgewöhnt. Wir waren also mit dem Nötigsten versorgt und konnten uns dem Relaxen, Schreiben und Lesen widmen. Reisen ist irgendwie auch anstrengend und wie wir schon einmal berichtet haben, fehlt uns Zeit.

Einen Ausflug haben wir dann doch noch unternommen. Wir haben uns an einem trockenen Vormittag von Grab zu den Batu Höhlen fahren lassen. Die Batu Caves sind Kalksteinhöhlen rund 15 Kilometer nördlich von Kuala Lumpur, die mehrere Hindu-Tempel beherbergen. Sie sind eine beliebte Pilgerstätte für die Hindus in Malaysia und für viele Besucher ein Highlight. Als wir ankamen, waren zwar viele Menschen mit uns vor Ort, aber die befürchteten Massen blieben Gott sein dank aus. Die 42 Meter hohe Statue des Gottes Murugan ist ein wirklich imposanter Anblick, vor allem wenn man direkt davor steht. Bevor wir den Weg nach oben antraten, wurden wir mit einem Sarong versorgt, um die Beine zu bedecken. Anschließend stiegen wir bei schwül warmen 35 Grad 270 bunte Stufen hinauf zur Höhle. Wir waren überrascht und begeistert von der Größe und dem Ausmaß der Höhle, allerdings etwas enttäuscht von der Flutlicht Beleuchtung, die die Atmosphäre sehr negativ beeinfluss hat. Trotz der vielen Touristen in der Höhle, spürt man sofort, dass es ein religiöser und spiritueller Ort ist. Wir konnten viele Hindus beobachten, die kniend, stehend oder liegend vor dem Schrein beteten. Ein faszinierender Anblick. Nicole musste leider vorzeitig an die frische Luft, da sie in der stickigen Höhle kaum Luft bekam. Nachdem ich noch eine kurze Runde durch die riesengroßen Höhlen drehte, machten wir uns auf den Rückweg. Die Luft in Kuala Lumpur war unerträglich, was uns den Aufenthalt erheblich erschwerte. Das lag am Smog, an unserer schlechten Verfassung und an der schwül warmen Luft. Auf dem Rückweg ließen wir uns von Grab im indischen Viertel absetzen, um eine Kleinigkeit zu essen. Auf Empfehlung des Grab-Fahrers haben wir einen anscheinend sehr beliebten Inder aufgesucht. Wir haben sehr lecker gegessen, allerdings war es um uns herum so laut und hektisch, dass wir nach dem Essen schnell die Flucht ergriffen.

Kuala Lumpur hat uns gut gefallen, gehört aber nicht zu unseren Highlights. Uns hat Singapur besser gefallen. Beide Städte sind sehr interessant und sehenswert, wir würden allerdings immer wieder eher nach Singapur als nach Kuala Lumpur fahren. Aber dennoch ist Kuala Lumpur lebendig und quirlig und hat seinen ganz eigenen Charme. Im Stadtteil Bukit Bintang zu wohnen und das ganz besondere Flair zu erleben war für uns etwas sehr Besonderes. Nun freuen wir uns auf Laos und erwarten eine ganz andere Welt. Wir sind gespannt und halten Euch auf dem laufenden. Bye, bye Malaysia, wir kommen gerne wieder:-).

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Kommentare: 1
  • #1

    Sabrina (Samstag, 09 November 2019 10:15)

    Hey ihr zwei ich bin überwältigt von euren Reiseberichten und von den Fotos